Von Windows 11 zu Linux, dieser Schritt stand für mich lange nicht auf der Agenda. Trotzdem wird mein Notebook in den nächsten Tagen der letzte Windows-Rechner sein, der aus meinem gesamten Home-Setup verschwindet.
Dabei geht es weder um Ideologie noch um einen klassischen Betriebssystemkrieg. Es geht vielmehr um die Frage, welches Betriebssystem heute am besten zu meiner Infrastruktur, meinen Arbeitsabläufen und meinen Anforderungen passt.
Und irgendwann musste ich mir eingestehen:
Windows passt dort schlicht nicht mehr hinein.
Von Windows 11 zu Linux: Die eigentliche Migration begann vor Jahren
Interessanterweise beginnt eine Linux-Migration nicht mit der Installation von Ubuntu.
Sie beginnt mit der Entkopplung.
In den letzten Jahren hat sich meine gesamte technische Umgebung schrittweise verändert:
- Projekte liegen in Git-Repositories
- Entwicklungsumgebungen laufen containerisiert
- Dienste werden im Homelab betrieben
- Dokumente werden zentral gespeichert
- Konfigurationen werden synchronisiert
- Identitäten und Passkeys sind nicht mehr an einzelne Geräte gebunden
Mein Homelab basiert mittlerweile vollständig auf Linux. Docker hostet einen Großteil meiner Dienste. Reverse-Proxys, Datenbanken, Automatisierung und Self-Hosting-Lösungen laufen ebenfalls auf Linux-Systemen.
Darüber habe ich bereits in meinem Beitrag „Mein Homelab nach einem Monat – warum Traefik, Docker und lokale Domains mein größter Produktivitätsgewinn wurden“ geschrieben.
Die eigentliche Wahrheit ist:
Mein Notebook ist heute längst nicht mehr das Zentrum meiner Infrastruktur.
Es ist nur noch ein Zugangspunkt.
Die letzten Windows-Abhängigkeiten sind verschwunden
Ein Punkt, der mir vor der eigentlichen Migration wichtig war, betraf die Authentifizierung.
Viele moderne Dienste setzen inzwischen auf Passkeys. Einige davon waren ursprünglich über Windows Hello registriert.
Deshalb habe ich vor dem Wechsel bewusst geprüft, welche Passkeys noch an Windows gebunden sind.
Die Lösung war letztlich einfach:
Die relevanten Passkeys wurden zusätzlich auf Hardware-Token registriert. Neben meinem iPhone stehen mir heute zwei unabhängige FIDO2-Sicherheitsschlüssel zur Verfügung.
Damit hängt der Zugang zu meinen wichtigsten Konten nicht mehr von einem bestimmten Betriebssystem oder Gerät ab.
Erst nachdem dieser Punkt erledigt war, fühlte sich die eigentliche Migration vollständig vorbereitet an.
Warum ich mich mit Windows 11 zunehmend schwer tue
Windows war für mich viele Jahre lang genau das, was ein Betriebssystem sein sollte:
Eine technische Grundlage, auf der Anwendungen laufen.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Mit Windows 11 habe ich zunehmend das Gefühl, dass sich dieser Fokus verschoben hat.
An vielen Stellen begegnen mir heute:
- Werbung
- Empfehlungen
- Microsoft-365-Integration
- Cloud-Dienste
- Copilot
- Newsfeeds
- Kontozwang
- ständig neue Plattformfunktionen
Jede einzelne dieser Funktionen mag ihre Zielgruppe haben.
Warum mein Notebook nicht der Grund für den Wechsel ist
Mein Notebook ist dabei keineswegs veraltet oder leistungsschwach.
2022 habe ich mich bewusst für ein HP ProBook G9 entschieden: ein Business-Notebook mit 32 GB Arbeitsspeicher und mehr als ausreichend Leistungsreserven für meinen täglichen Einsatz als Entwickler.
Gerade deshalb stelle ich mir zunehmend eine andere Frage:
Warum soll ein modernes Betriebssystem immer mehr Ressourcen benötigen, obwohl sich meine eigentlichen Anforderungen kaum verändert haben?
Mein Alltag besteht aus Docker, Git, SSH, Datenbanken, Browsern und Entwicklungswerkzeugen. Für diese Aufgaben ist die vorhandene Hardware auch heute noch mehr als ausreichend.
Trotzdem wird gerade Windows zunehmend umfangreicher, integriert immer mehr Hintergrunddienste, Cloud-Anbindungen, KI-Funktionen und Plattformdienste und beansprucht damit Ressourcen für Funktionen, die viele Nutzer nie aktiv verwenden.
Die Frage lautet für mich daher nicht:
„Kann mein Notebook das noch bewältigen?“
Sondern:
„Welchen konkreten Mehrwert erhalte ich dafür?“
Auch die Benutzererfahrung wirkt zunehmend inkonsistent
Hinzu kommt etwas, das sich schwer in Benchmarks messen lässt.
Windows 11 wirkt für mich an vielen Stellen unfertig.
Alte und neue Oberflächen existieren nebeneinander.
Einstellungen verteilen sich auf unterschiedliche Bereiche.
Dialoge folgen teilweise unterschiedlichen Designprinzipien.
Und selbst bei Übersetzungen begegnen mir immer wieder Formulierungen, die wenig professionell wirken.
Jeder einzelne dieser Punkte ist für sich genommen kein Problem.
In Summe entsteht jedoch der Eindruck eines Systems, das immer größer wird, ohne gleichzeitig konsistenter zu werden.
Linux passt heute einfach besser zu meiner Infrastruktur
Der wichtigste Grund für den Wechsel ist jedoch weder Werbung noch Copilot.
Der wichtigste Grund ist deutlich einfacher:
Linux passt heute besser zu meiner Infrastruktur.
Nahezu alle Systeme, die ich täglich betreibe oder administriere, basieren bereits auf Linux.
Die Werkzeuge, die ich verwende, stammen ursprünglich aus dieser Welt:
- Docker
- Git
- SSH
- PostgreSQL
- MariaDB
- Redis
- Traefik
Ich bewege mich täglich zwischen Linux-Containern, Linux-Servern und Linux-basierten Entwicklungsumgebungen.
Warum sollte ausgerechnet mein lokaler Rechner die Ausnahme bleiben?
Gleichzeitig erhalte ich ein System, das sich auf das Wesentliche konzentriert.
Weniger Hintergrundprozesse.
Weniger Werbung.
Weniger Plattformintegration.
Weniger Ablenkung.
Dafür mehr Kontrolle, mehr Transparenz und mehr Konsistenz.
Ein bewusster Neuanfang
Deshalb wird es keinen Dual-Boot geben.
Keine zweite Partition.
Keine „Für alle Fälle“-Installation.
Die relevanten Daten werden auf mein NAS ausgelagert und anschließend wird die NVMe vollständig überschrieben.
Nicht aus ideologischen Gründen.
Sondern weil ich saubere Systeme mag.
Wer schon einmal Legacy-Systeme modernisiert oder Softwarearchitekturen vereinfacht hat, kennt dieses Prinzip:
Manchmal ist ein klarer Neustart einfacher und nachhaltiger als das dauerhafte Mitschleppen von Altlasten.
Das Betriebssystem wechselt zuletzt
Rückblickend ist das vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Reise.
Das Betriebssystem war nie der Ausgangspunkt.
Es ist der Endpunkt.
Die eigentliche Migration begann mit Docker.
Mit Git.
Mit dem Homelab.
Mit Self-Hosting.
Mit der Entkopplung von Daten, Diensten und Identitäten.
Ubuntu ist heute lediglich der letzte Baustein einer Entwicklung, die bereits vor Jahren begonnen hat.
Nicht weil Linux gewonnen hätte.
Sondern weil meine Infrastruktur diese Entscheidung längst getroffen hat.
